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Tuberöse Sklerose und ihre Auswirkungen auf den Körper

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Tuberöse Sklerose, auch Morbus Bourneville genannt, ist eine angeborene Erkrankung mit dominanter erblicher Vererbung. Diese Krankheit ist durch das Auftreten verschiedener Läsionen auf der Haut, dem Zentralnervensystem, dem Herzen, den Nieren und anderen Organen gekennzeichnet.

Mit einer Inzidenz von 3–4/100.000 Neugeborenen betrifft die Krankheit beide Geschlechter und alle Rassen gleichermaßen. Der erbliche Faktor liegt auf der Hand: Das Erkrankungsrisiko für die Kinder von Genträgern liegt bei 50 %.

Zwischen 50 und 70 % der Fälle beinhalten neue Mutationen, während der Rest eine autosomal-dominante Übertragung mit variabler Penetranz aufweist. Das abnormale Gen kann auf dem langen Arm von Chromosom 9 (TSC1 – Hamartin) oder auf dem kurzen Arm von Chromosom 16 (TSC2 – Tuberin) lokalisiert sein. Die Mutationen dieser Gene inaktivieren Hamartin und Tuberin, Proteine ​​mit der Aufgabe, das Zellwachstum zu unterdrücken, was zur Bildung von Hamartomen und Zellproliferation führt.

Die Krankheit beginnt meist im Kindesalter und führt zu Hirntumoren und Herzveränderungen. Klinisch fällt die charakteristische Trias aus Talgdrüsenadenomen, Epilepsie und geistiger Behinderung auf. Weitere ständige Anzeichen sind weiße Hautflecken in Form von „Blättern“ (Aschenblattläsionen) und subepidermale Fibrose.

Beeinflusst das Zentralnervensystem

Neurologische Manifestationen wie epileptische Anfälle und eine verzögerte psychomotorische Entwicklung sind häufig. Autismus tritt in etwa 20 % der Fälle auf und bestimmte zerebrale oder spinale Symptome sind selten.

Psychomotorische Retardierung

Bis zu 50 % der Patienten zeigen eine verzögerte kognitive Entwicklung, wobei sich die kognitiven Funktionen langsam verschlechtern. Auch Affekt- und Verhaltensstörungen wie Aggression und hyperkinetisches Syndrom betreffen etwa die Hälfte der Patienten.

Tuberöse Sklerose oder Bourneville-Krankheit ist eine komplexe Erkrankung, die eine Vielzahl von Organen, einschließlich der Haut, betrifft. Hautläsionen stellen einen wesentlichen Aspekt dieser Krankheit dar und zeigen sich in einer Reihe unterschiedlicher Manifestationen.

Hypomelanotische Flecken

Weiße Flecken auf der Haut, sogenannte „Aschenblattläsionen“, treten bei etwa 90 % der Fälle von Tuberkulose auf. Von besonderer Bedeutung für die Frühdiagnose ist, dass diese Flecken bei kleinen Kindern vor allen anderen Hautläsionen auftreten. Diese ovalen Flecken mit einem runden und einem spitzen Ende befinden sich am Rumpf und an den Gliedmaßen und variieren in der Größe zwischen einigen Millimetern und einigen Zentimetern.

Talgdrüsenadenome

Diese auch als Pringle-Adenome bekannten Läsionen im Gesicht sind pathognomonisch für Tuberkulose und treten in über 90 % der Fälle bei Kindern über 4 Jahren auf. Dabei handelt es sich tatsächlich um Angiofibrome, rosarote Knötchen mit glatter Oberfläche, die meist auf die Nasolabialfalte, die Wangen und das Kinn beschränkt sind, seltener auf die Stirn und die Kopfhaut.

Plaques subepidermaler Fibrose

Ab dem 10. Lebensjahr entwickeln zwischen 20 und 70 % der Patienten subepidermale Fibroseplaques, die sogenannte „Chagrin-Haut“. Diese Plaques mit Durchmessern zwischen 1 und 10 cm sind am häufigsten im lumbosakralen Bereich lokalisiert.

Andere Hauterscheinungen

Tuberöse Sklerose geht auch mit anderen Hautläsionen einher, wie z. B. subungualen Angiofibromen (Koenen-Tumoren), Café-au-lait-Flecken, weichen gestielten Fibromen und Portwein-Hämangiomen.

Bildgebende Untersuchungen

Die Bildgebung spielt eine wesentliche Rolle bei der Diagnose und Überwachung der Entwicklung der tuberösen Sklerose.

Die Computertomographie (CT) des Gehirns zeigt verkalkte periventrikuläre Läsionen, während die Magnetresonanztomographie (MRT) subkortikale hamartomatöse Läsionen bestätigt. Das Fehlen von Ödemen im umgebenden Gewebe und die große Anzahl kortikaler Läsionen, die im MRT erkannt werden, stehen im Zusammenhang mit einer erhöhten Inzidenz neurologischer Störungen. Ultraschall wird häufig zur Bestätigung von Herz- und Nierentumoren eingesetzt.

Zusätzliche paraklinische Untersuchungen

Die Elektroenzephalographie (EEG) ist für die Beurteilung drohender epileptischer Aktivität von entscheidender Bedeutung, da sie Hypsarrhythmien bei Säuglingen und Peak-Wave-Muster bei Erwachsenen hervorhebt und epileptische Herde identifiziert. Auch augenärztliche und dermatologische Untersuchungen sind zur Beurteilung umschriebener Depigmentierungen der Iris, Aderhauthamartome und Hautveränderungen unerlässlich.

Anatomopathologische Aspekte

Auf der Hautebene fehlen Melanozyten und in den Tuberositas cerebri, die sich in der Hirnrinde befinden, treten im CT und MRT sichtbare Verkalkungen auf. Diese Tuberositas kann das Foramen Monro oder den Aquädukt V IV verstopfen und einen Hydrozephalus verursachen. Eine neoplastische Transformation abnormaler Gliazellen ist nicht selten und gipfelt in einem großzelligen Astrozytom, Glioblastom oder Meningeom.

Als präventive Maßnahme ist die genetische Beratung ein zentraler Bestandteil, um betroffene Familien zu informieren und zu unterstützen.

Die symptomatische Behandlung umfasst die Verabreichung von Antikonvulsiva zur Kontrolle epileptischer Anfälle. In ausgewählten Fällen können chirurgische Eingriffe erforderlich sein, um Tumore zu entfernen, die eine Kompression verursachen oder symptomatisch werden.

Eine Lasertherapie kann bei Talgdrüsenadenomen eingesetzt werden und ACTH wird zur Behandlung von Flexionskrämpfen bei Kindern eingesetzt.

Die Lebenserwartung bei Tuberkulose wird durch eine Reihe von Faktoren beeinflusst. Zu den Todesursachen können Status epilepticus, Riesenzellastrozytom, Nierenkarzinom, Nierenversagen und hämorrhagische Angiomyolipome gehören.

Schwere Fälle können bis zum Alter von 5 Jahren bei 30 % und vor Erreichen des Erwachsenenalters bei 50–75 % zum Tod führen.

Tuberöse Sklerose ist eine komplexe Erkrankung mit vielfältigen Erscheinungsformen und tiefgreifenden Auswirkungen auf das Leben der Patienten. Das Verständnis der klinischen, epidemiologischen und molekularen Aspekte dieser Krankheit trägt zur Entwicklung früher Diagnose- und Behandlungsstrategien bei und hat das Potenzial, die Lebensqualität von Patienten, die von der Bourneville-Krankheit betroffen sind, deutlich zu verbessern.

Literaturverzeichnis
www.mayoclinic.org/diseases-conditions/tuberous-sclerosis/symptoms-causes/syc-20365969
www.msdmanuals.com/professional/pediatrics/neurocutaneous-syndromes/tuberous-sclerosis-complex-tsc